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Événement

alles anders kommt

en collaboration avec

01.12.2025

alles anders kommt

Kurz vor der Premiere fällt jemand aus – ein Albtraum, den wohl jede Theatergruppe kennt, aber keiner erleben will. Nach unserem Aufruf zum Thema haben uns zahlreiche Zuschriften erreicht: ehrliche, bewegende und manchmal auch humorvolle Geschichten über Pannen, Krankheiten, Unfälle und ganz viel Improvisation.

Text: Tatiana Troxler

Weil das Thema sensibel ist, veröffentlichen wir die Beiträge bewusst anonym. Es geht hier nicht darum, jemanden blosszustellen, sondern Erfahrungen zu teilen – Erfahrungen, die zeigen, wie kreativ, solidarisch und lösungsorien-tiert unsere Theaterleute sind, wenn plötzlich alles anders kommt. Und das ist das Schöne daran: Hinter jeder Herausforderung steckt auch eine Geschichte von Mut, Zusammenhalt und echtem Theatergeist.

Hier beginnt also unsere kleine Serie über Theaterpannen, spontane Rettungen und kreative Lösungen.

Wenn die Regisseurin plötzlich selbst auf die Bühne muss

Von Ausfällen während der Proben kann diese Bühne ein Lied singen. Doch einmal traf es sie besonders heftig: Am Morgen nach der Hauptprobe stürzte eine Schauspielerin zu Hause so unglücklich, dass sie sich die Kniescheibe brach – Totalausfall, drei Tage vor der Premiere!

Während die Betroffene bereits im Operationssaal lag, herrschte im Ensemble Ausnahmezustand. Absagen kam nicht infrage. Also wurde fieberhaft nach einer Lösung gesucht – und die Regisseurin selbst erklärte sich schliesslich bereit, die Rolle zu übernehmen.

Neben der Regie war sie eigentlich auch für Licht und Ton zuständig, doch mit etwas Improvisation liessen sich ihre Einsätze koordinieren. Der Text kam ins Notizbuch, ein Kostüm im Stil der 1920er-Jahre war rasch gefunden – und schon stand sie

selbst auf der Bühne. Die Generalprobe diente als einzige Vorbereitung in der neuen Besetzung.

An der Premiere erklärte sie dem Publikum kurz die Situation. Doch niemand liess sich davon stören – im Gegenteil: Das Publikum reagierte mit grossem Applaus, und alle acht Aufführungen konnten erfolgreich gespielt werden. «Wir hatten Glück!», schreibt die Gruppe rückblickend. «Noch einmal möchten wir das aber lieber nicht erleben.»

Wenn das Leben Regie führt

Nach vier Monaten intensiver Proben war es endlich so weit: Der grosse Aufführungsmonat stand bevor. Die Vorfreude war riesig – besonders bei der Regisseurin, die zum ersten Mal in dieser Rolle arbeitete. Am Nachmittag fand die Kinderaufführung statt, am Abend die Premiere – ein voller Erfolg. Stolz blickte das Ensemble auf die monatelange Arbeit zurück, der Applaus war überwältigend.

Doch schon wenige Tage später kam alles anders: Eine der Spielerinnen – die eigene Tochter der Regisseurin – klagte über heftige Rückenschmerzen. Der Arztbesuch brachte Gewissheit: Ein Nierenstein musste entfernt werden. Die Operation wurde zwar auf die Woche nach der Dernière verschoben, doch die Schmerzen blieben. Trotzdem wollte die junge Schauspielerin unbedingt weiterspielen.

Am Freitagabend, kurz vor der Aufführung, wurde klar, dass das unmöglich war. Kreidebleich sass sie unter einer Wolldecke in der Maske, während die Mutter als Regisseurin versuchte, ruhig zu bleiben. Absagen war keine Option – der Saal war fast ausverkauft, und niemand hätte die Gäste rechtzeitig informieren können.

Also griff die Regisseurin zum letzten Mittel: Sie sprang selbst ein. Da sie das Stück und alle Abläufe auswendig kannte, war der Text die einzige Hürde.

Paru dans N° 4/2025 — décembre, page 22.