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Nouvelle

De l’autre côté

01.12.2025

De l’autre côté

Über AirPods flüsterte ihr die Souffleuse Stichworte ins Ohr. Vor Beginn der Vorstellung erklärte sie dem Publikum kurz die Situation – und dann hiess es: Vorhang auf!

Was folgte, war ein Abend voller Spannung, Konzentration und Erleichterung. Das Publikum spürte die besondere Energie auf der Bühne und reagierte mit grossem Applaus. Trotz aller Aufregung verlief die Aufführung reibungslos.

Am nächsten Tag dann die erlösende Nachricht: Die erkrankte Schauspielerin musste zwar notfallmässig operiert werden, doch alles war gut verlaufen. Ein turbulentes Wochenende, das niemand so schnell vergessen wird – und ein weiteres Beispiel dafür, dass Theater manchmal vom echten Leben überholt wird.

Auf der Bühne wird’s nie langweilig

Nach einer langen, intensiven Probezeit war es endlich so weit: Vorhang auf, Scheinwerfer an – und die jungen Schauspielerinnen und Schauspieler konnten zeigen, was in ihnen steckt. Die Kinderbühne startete mit dem Märchenklassiker Schneewittli, während die Jugendbühne am selben Abend mit dem Krimidinner Der Königsmord Spannung und Gänsehaut servierte. Beide Produktionen waren ein voller Erfolg – grosser Applaus, glückliche Gesichter, stolze Regie.

Der Abend wurde ein grosser Erfolg. Und das Ensemble lernte, dass Theater weit mehr ist als Text und Kostüm – es ist Teamgeist, Mut und der Wille, gemeinsam durchzuhalten, auch wenn’s mal schüttelt.

Der Hofmarschall mit Knopf im Ohr

Nach acht erfolgreichen Aufführungen stand nur noch ein letztes Gastspiel bevor – die grosse Dernière. Alles war bereit, die Stimmung bestens, bis am Samstagabend die Nachricht kam: Der Darsteller des Hofmarschalls ist an Corona erkrankt und fällt aus. Absagen? Undenkbar – schliesslich warteten am Sonntag viele kleine Zuschauerinnen und Zuschauer gespannt auf die Vorstellung.

Nach kurzer Krisensitzung war klar: Es musste eine Lösung her. Der Cheftechniker, der das Stück bei jeder Auffüh-rung hinter der Bühne begleitet hatte, erklärte sich bereit, spontan einzuspringen. Noch am selben Abend holte er das Textbuch ab – und lernte über Nacht seine neue Rolle.

Am Sonntagmorgen stand er, leicht eingequetscht im Kostüm seines Vorgängers, auf der Bühne zur Probe. Er kann-te das Stück, aber nur von hinten – das machte es spannend. Da die Truppe

traditionell ohne Souffleur arbeitet, musste improvisiert werden. Der Tontechniker hatte die rettende Idee: Über ein kleines In-EarSystem erhielt der neue Hofmarschall live Stichworte von einer Kollegin.

Die Vorstellung wurde ein voller Erfolg. Das Publikum, das über die Situation informiert war, reagierte begeistert – und spendete besonders dem kurzfristigen Ersatz grossen Applaus.

Wenn der Hauptdarsteller plötzlich ausfällt

Zweimal stand die Theatergruppe kurz davor, dass alles kippt – und zweimal hat sie das Unmögliche möglich gemacht. Beim ersten Mal verlor das Ensemble mitten in der Probezeit seinen Hauptdarsteller durch ein Burn-out. Was tun? Erst mal tief durchatmen – und dann anpacken. Die Rollen wurden neu verteilt, zusätzliche Proben eingeschoben und gemeinsam Lösungen gesucht. Dank dieser Flexibilität konnte das Stück wie geplant zur Aufführung kom-men – ein kleines Wunder aus Teamgeist und Improvisation.

Ein Jahr später der nächste Schock: Nur vier Wochen vor der Premiere erwischte es den neuen Hauptdarsteller mit Pfeifferschem Drüsenfieber. Wieder war klar: Absagen ist keine Option. Ein erfahrener Spieler, der eigentlich pausiert hätte, sprang kurzfristig ein und lernte den umfangreichen Text in Rekordzeit. Mit etwas Unterstützung aus der Regie gelang ihm eine überzeugende Vorstellung – das Publikum merkte nichts vom Drama hinter den Kulissen.

Diese beiden Erlebnisse haben gezeigt: Theater ist immer auch ein Stück Leben – voller Überraschungen, Rück-schläge und grosser Triumphe.

Paru dans N° 4/2025 — décembre, page 23.